Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

13. September 2010

Behindertenquote.

Kategorie: Vergangen

Betriebe ab einer gewissen Größe müssen soundsoviel Schwerbehinderte einstellen. Viele kaufen sich per Ausgleichsabgabe davon frei. Geht aber auch anders.

Ich nenne sie mal Hannelore, das paßt irgendwie. Sie ist schon seit Jahrzehnten im Hause beschäftigt. Das Alter sieht man ihr nicht an. Wohl aber ihre, äh, geistige Minderbemitteltheit. Sie geht durch den ganzen Betrieb und kehrt die verschiedenen Innenhöfe und leert die vielen Aschenbecher, daß Menschen wie ich sie wieder füllen können. Auch wenn ich sie manchmal belächele, weil sie vieles nicht versteht, schaue ich nicht auf sie herab, denn auch sie tut ihre Arbeit und hält den Laden damit am Laufen.

Sie ist immer zufrieden und hat immer ein freundliches Wort übrig und schielt fürchterlich.

Und wir haben noch viel mehr Hanneloren im Haus, und eine jede arbeitet, was und wie gut sie es kann. Ihre Leistung ist sicherlich nicht geringer als meine, gemessen am Vermögen.

Der eine macht die Whipple-OP, der andere leert die Mülleimer. Ein jeder so, wie er es kann.

[ 16 Uhr 35 ] - [ 3 Kommentare ]

Ausgeschlafen.

Kategorie: Vergangen

Die Kolleginnen dachten sich: wenn er bei seinen Schlafstörungen schon mal schläft, dann lassen wir ihn erstmal noch ein wenig, und riefen erst um halb sieben an. Sie erwischten nur den Anrufbeantworter und sprachen dort eine freundliche Botschaft darauf. Denn er war gar nicht zu Hause, sondern hütete mit seiner Liebsten Bruno, den Hund von Olli, den zu Hause zu hüten nur Ärger mit der Hausverwaltung gebracht hätte.

Natürlich hatte er sich den Wecker in seinem Mobltelephon gestellt. Aber nicht gemerkt, daß er einen nicht hörbaren Weckton eingestellt hatte. So machte er sich um sieben Uhr ausgeschlafen und schleunigst auf den Weg zum Sonntäglichen Frühdienst, der um sechs begonnen hatte und traf um halb acht ein. Die Kolleginnen grinsten nur, die PatientInnen auch.

[ 05 Uhr 27 ] - [ Noch kein Kommentar ]

12. September 2010

Gurkenkönig.

Kategorie: Vergangen

Ich finde immer nett, wenn PatientInnen dankbar sind. Meist zeigen sie ihre Dankbarkeit mit Schokolade und anderen Süßwaren. Desto netter finde ich von einer meiner PatientInnen, daß sie uns stattdessen einem nach dem anderen Saure Gurken aus eigener Produktion verehrt. Ich liebe Saure Gurken, und diese Gurken sind in der Tat die besten, die ich bisher gegessen habe! Sie haben eine ganz besondere, eigene Würze. Und da sie mir aus irgendwelchen Gründen besonders dankbar ist, bekam ich sogar ein weiteres Glas davon.

Somit bin ich quasi der Gurkenkönig.

Saure Gurken.

[ 17 Uhr 58 ] - [ Noch kein Kommentar ]

10. September 2010

Ladung zum Gericht.

Kategorie: Verschiedenes

Also, keine Einladung zum Essen jetzt, sondern Vorladung zu einer Gerichtsverhandlung. Wir hatten ja vor einiger Zeit Anzeige erstattet wegen "Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen in Tateinheit mit Beleidigung".

Vor einigen Tagen hatte ich mich gerade gewundert, daß noch immer keine Post gekommen war, daß das Verfahren eingestellt worden sei. Nun ist Post im Kasten, daß wir als ZeugInnen aussagen müssen.

Meine erste Gerichtsverhandlung.

Wenn man von meiner Scheidung absieht natürlich. Aber meine erste richtige solche, so mit Strafsache und voll verboten und so. Eigentlich nicht so mein Ding, aber Hitlergruß kann ich dann doch nicht durchgehen lassen.

[ 10 Uhr 08 ] - [ 10 Kommentare ]

Sanierung des Haushaltes können wir besser als die Regierung.

Kategorie: Verrueckt

Die Fernbeziehung war teuer. Der Umzug meiner Liebsten war teuer. Daß sie zunächst nicht versichert werden konnte war teuer. Nun sind wir aber nicht die Bundesregierung. Wir verringern unsere Schulden immer mehr. Ohne daß wir für wirklich wichtige Dinge die Mittel streichen. Und indem wir die richtigen und wichtigen Maßmahmen durchziehen.

Mit diesem Staat geht es abwärts. Mit uns jedoch hinauf. Ein gutes Gefühl.

[ 09 Uhr 28 ] - [ 3 Kommentare ]

09. September 2010

Ich und Mutter Teresa.

Kategorie: Verschiedenes

Das Wirken von Mutter Teresa ist durchaus nicht unumstritten. Doch als ich damals, am ersten Januar 1991, direkt vor dieser winzig kleinen Ordensschwester stand, die mir händeschüttelnd ein "Happy new year" wünschte, hatte ich dennoch das Gefühl, sie sei ein besonderer Mensch. Auch wenn ihre Ablehnung gegenbüber Schmerz- und Verhütungsmitteln nicht nachvollziehbar ist. Aber immerhin hatte sie ihre Vorstellungen und ihre Ideale irgendwie in ziemlich großem Stil durchgezogen.

Es war sicherlich der prominenteste Händedruck, den ich bisher bekam. Doch habe ich etliche wichtige Menschen kennengelernt, auch welche, deren Lebensgeschichte mit großen Stars und oscarnominiert verfilmt worden war. Oder die weltbekannte Firmen führten. Im KZ gesessen oder Menschen ins KZ gebracht hatten.

Ich habe da keine Berührungsängste. Denn auch Mutter Teresa mußte kacken, und auch das hat bestimmt nicht nach Rosen geduftet.

[ 11 Uhr 29 ] - [ 1 Kommentar ]

08. September 2010

Wieso sollen Arbeitslose arbeiten?

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

Arbeitslose sollen arbeiten gehen. Gute Idee, nur- sie bleiben dabei arbeitslos. Durch den Ein-Euro-Job haben wir das Paradoxon, daß jemand zwar keine Arbeit hat, aber
Den Rest lesen ]

[ 23 Uhr 16 ] - [ 9 Kommentare ]

Ungelernte in die Pflege - Für sozialverträgliches Frühableben?

Kategorie: Vergangen

Über die Geringschätzung der professionellen Pflege seitens unserer geschätzten Frau Bundeskanzlerin habe ich mich schon gestern erregt. Frau Dr. Merkel streicht Zuschüsse für die Umschulungen, gleichzeitig versucht sie, die Qualität der Pflege durch Einsatz ungelernter Kräfte zu killen. Ich dachte eigentlich, das Paradigma "Sauber, satt und still" sei einer menschenwürdigeren Haltung gewichen.

Wenn Hartz4er in
Den Rest lesen ]

[ 09 Uhr 12 ] - [ 8 Kommentare ]

07. September 2010

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

Kategorie: Vergangen

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

Brief an die Kanzlerinmit Unbehagen habe ich Ihre Äußerungen bezüglich des Einsatzes von Hartz-IV-Empfängern in der Pflege gelesen.

Ich verstehe das als Geringschätzung meines Berufes und
Den Rest lesen ]

[ 11 Uhr 21 ] - [ 2 Kommentare ]

Hier hast n Buckel!

Kategorie: Verschiedenes

Zwei Freunde sind um die Häuser gezogen und nun auf dem Heimweg. Der eine hat ein Hinkebein, der andere hat einen Buckel. Auf dem Weg nach Hause kommen sie am Friedhof vorbei, da sagt der Buckelige:
"Komm, laß uns die Abkürzung über den Friedhof nehmen, das ist mir sonst zu viel zum Latschen!"
Sagt der mit dem Hinkebein:
"Nee, Du, das ist mir viel zu gruselig. Ich möchte lieber außen herum."

Sie können sich nicht einigen, und so trennen sie sich, und der Buckelige geht über den Gottesacker.
Da schlägt es Mitternacht! Und die Toten kommen aus ihren Gräbern, und sie beginnen zu tanzen, und sie tanzen einen Reigen um den schreckensstarren Buckeligen herum. Da löst sich ein Geist aus der Gruppe und spricht ihn mit unheimlicher dünner Stimme an:

"Was hast Du da auf Deinem Rücken? Was hast Du da auf Deinem Rücken?"

Der Buckelige, etwas irritiert:
"Ääääh, einen Buckel?"

"Gib ihn mir!" spricht der Geist, greift nach dem Buckeligen- und der Buckel ist weg.

Es schlägt eins, die Toten verschwinden in ihren Gräbern.

Am folgenden Tag in der Kneipe fragt der mit dem Hinkebein:
"Sag mal, wo um alles in der Welt hast Du Deinen Buckel gelassen?"

Die Geschichte erstaunt ihn sehr, und er beschließt, es auch zu versuchen. Zu Mitternacht geht diesmal er auf den Friedhof.

Es schlägt Mitternacht! Und die Toten kommen aus ihren Gräbern, und sie beginnen zu tanzen, und sie tanzen einen Reigen um den schreckensstarren Hinkenden herum. Da löst sich ein Geist aus der Gruppe und spricht ihn mit unheimlicher dünner Stimme an:

"Was hast Du da auf Deinem Rücken? Was hast Du da auf Deinem Rücken?"

Der Hinkende, etwas irritiert:
"Ääääh, nichts?"

Darauf der Geist:
"Hier hast n Buckel!"

[ 08 Uhr 52 ] - [ 2 Kommentare ]

06. September 2010

Wer ist hier behindert? Yó también.

Kategorie: Kultur

Ganz großes Kino. Spanische Filme, z.B. von Pedro Almodovar, haben mich schon immer irgendwie speziell berührt. Und dieser im besonderen: "Yó también", hier laufend unter "Me too - Wer will denn schon normal sein?" mit Pablo Pineda (Wer hat den Wikipediaeintrag gemacht?) in der Hauptrolle, der sozusagen seine eigene Geschichte spielt. Der erste europäische Mensch mit Trisomie 21 (für die Prolls: dat isn Mongo) mit Universitätsabschluß entdeckt die Liebe und kämpft für die Emanzipation seiner Mitbehinderten. Wobei ich mir da immer wieder die Frage stellen mußte: Wer oder was ist hier nun behindert? Oder wird man nur behindert?

Nein, ich schreibe nichts zum Inhalt. Guckt ihn Euch gefälligst selbst an.

NEIN, da gibt es keine Zombies oder Kettensägen. Nur Gefühle. Große Gefühle. Ganz großes Kino.

[ 12 Uhr 08 ] - [ Noch kein Kommentar ]

05. September 2010

Wir brauchen noch mehr Berufsbonzen! Pro Sarrazin-Partei!

Kategorie: Verkohlt

Deutschlands Vorzeigerassist und Wachrüttler Thilo Sarrazin, der wie einst die nationalsozialistischen Idioten mit genetischen Unterschieden die angeblich unterschiedliche Leistungsfähig- und -willigkeit der verschiedenen "Rassen" begründet, soll nach dem Willen von knapp 20% des Volkes einer Protestpartei vorstehen. 18 Prozent würden diese Partei wählen. Ohne, daß sie ein Programm hat, da sie noch gar nicht existiert.

Ich finde ziemlich bedenklich, daß jeder fünfte eine Partei wählen würden, deren Programm scheißegal ist. Zeigt prima, was dem Volk wichtig ist: Parolen statt Inhalt.

Ich liebe Protestparteien. Das Wort steht ja eigentlich vor allem für "Ich bin dagegen" und "Ich habe sonst nichts zu bieten". Auch wird der Herr Rassentheoretiker mit dieser Forderung auf den Olymp der Protestanten gehoben, wo schon Götter residieren wie

-der unvergessene Ronald Schill
-der längst vergessene (oder verdrängte) Bolko "Pro DM" Hoffmann

Dieses Ansinnen halte auch ich für erstrebenswert. Vielleicht würde eine Erhebung Thilo Sarrazins auf den Thron einer Protestpartei ihm nämlich ebenso wie diese schnell im Sumpf des Vergessens verschwinden lassen.

[ 11 Uhr 38 ] - [ Noch kein Kommentar ]

04. September 2010

Der E-Post-Brief. E-Fail statt E-Mail.

Kategorie: Vernetzt

Kann so etwas dämliches wie der E-PostBrief eigentlich nur deutschen Bürokraten einfallen? Eine E-Mail, die sich auch ausgedruckt zum Empfänger schicken läßt für fünfundfünfzig Cent wie ein normaler Brief, nur nicht unter das Brief-, sondern nur unter das Fernmeldegeheimnis fällt und für die ausgedruckte Version statt der elektronischen nochmals 10 Cent draufgeschlagen werden? Die im Klartext gespeichert wird und nicht verschlüsselt werden kann, so daß das auch nicht, anders als die Post behauptet, vor unbefugtem Zugriff geschützt ist?

Mann. Wenn ich sichere Kommunikation will, verschicke ich eine gut verschlüsselte, normale, kostenlose E-Mail. Oder einen Brief. Einen richtigen. Mit Umschlag.

Beknackte Idee. Verlogenes Marketing. Fail.

[ 23 Uhr 51 ] - [ 2 Kommentare ]

The Rolling Zombies: Fortschreitende Verwesung.

Kategorie: Kultur

Die Beatles haben es richtig gemacht: Sie haben sich rechtzeitig getrennt und sind so Legende geworden. John Lennon wurde rechtzeitig ermordet und Janis Joplin, Jimi Hendrix und Jim Morrison erstickten rechtzeitig an ihrer eigenen Kotze, ehe sie von Legenden zu Witzfiguren wurden.

Die Rolling Stones hingegen gurken seit fünfzig Jahren durch die Welt. Und betreiben nur noch Selbstrecycling. Die Platten klingen seit einem Vierteljahrhundert alle gleich, und die Konzerte erwecken den Eindruck, ein Zombiemusical würde dargeboten. Neu und innovativ war einmal. Wild und gefährlich war einmal. Anstößig und obszön war einmal.

Übrig vom Mythos sind ein paar Tattergreise, die den richtigen Zeitpunkt aufzuhören verpaßt haben. Deren Publikum nicht mehr das Stadion kurz- und kleinhackt, sondern hier mal so tut, als würde die Sau rausgelassen, während der Alltag daraus besteht, den Rasen zu mähen, damit die Nachbarn in der Wohnsiedlung nicht meckern.

Ein trauriges Bild. Mutantenstadl. Musikantenstadl.

[ 17 Uhr 55 ] - [ 1 Kommentar ]

Angestochen.

Kategorie: Vergangen

Immer wieder kommt diese unsägliche Debatte auf: Krankenschwestern sollen Blut abnehmen. Anderswo tun sie das auch, und außerdem dürfen das sogar Arzthelferinnen.

Ich frage mich, weshalb die KollegInnen so scharf darauf sind, dem Doc seine Arbeit zu machen. Wollen sie mit dieser Tätigkeit sich in dessen Glanze sonnen? Weil das gar so schrecklich qualifiziert ist? Kann jeder Student.

Natürlich kann ich das auch. Ohne das mir das jemand hätte erklären müssen. Soviel zur Qualifizierthaftigkeit dieser Tätigkeit. Ich will es aber nicht. Denn mit Pflege hat das nichts zu tun. Uns Pflegekräften wird ohnehin immer mehr Zeug zugemutet. Während überall Pflegekräfte eingespart werden. Wir sind keine ärztlichen HilfsarbeiterInnen, die dem Arzt lästige Tätigkeiten abzunehmen haben. Der Doc würde uns ja auch niemals beim Pflegen helfen.

Kompetenz als Pflegekraft demonstriere ich jedenfalls nicht dadurch, daß ich jemandem eine Vene punktiere. Punkt.

[ 11 Uhr 53 ] - [ Noch kein Kommentar ]

neuere Beiträge | ältere Beiträge