24. Juni 2009
Vollzeitbeschäftigt
Kategorie: Verschiedenes
Liebe ist ein Full-Time-Job. Ich komme zur Zeit kaum zum Schreiben. Ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt, verliebt zu sein. Meine PatientInnen bemerken ein Leuchten in meinen Augen, meine KollegInnen müssen lächeln über meine ungewohnt undepressive gute Laune.
Das Leben ist teuer geworden für mich. Trotz Skype ist meine Telephonrechnung deutlich dreistellig geworden. Fahrkarten sind auf diese Entfernung auch nicht billig, jedenfalls nicht dann, wenn man sich wie ich den Komfort eines Schlafwagens mit Zweierkabine gönnt.
Na und?
[ 13 Uhr 06 ] - [ 5 Kommentare ]
22. Juni 2009
Glück
Kategorie: Verschiedenes
Zwei psychisch Kranke.
Zwei völlig verschiedene Menschen.
Zwei völlig verschiedene Biographien.
Dazwischen mehr als vierhundert Meilen.
Na und?
[ 02 Uhr 29 ] - [ 10 Kommentare ]
18. Juni 2009
Abgewürgt
Kategorie: Vernetzt
Selbst wenn bei Linux mal etwas nicht funktionieren sollte- die Fehlermeldungen entschädigen dafür!
[ 12 Uhr 10 ] - [ 4 Kommentare ]
17. Juni 2009
Der Schrank
Kategorie: Vergangen
Neiin, Männer sind fast gar nicht wehleidig
meinte MissMoney vorgestern zu mir.
Stellt Euch einen Kerl vor wie einen Baum, wie einen Kleiderschrank XXL. Fast zwei Meter groß, Unterarme wie ich Unterschenkel (und die sind nicht schlank!!!) habe, ein Kreuz, welches man in einer Kirche aufhängen könnte. Unglaublich tätowiert. Eigentlich ein netter Mann, aber er sah ziemlich gefährlich aus. Und sein Beruf? Türsteher. Echt jetzt. An ihm traut sich garantiert keiner vorbei.
Aber wenn man denn mal mit einer Spritze ankam....
[ 08 Uhr 04 ] - [ 3 Kommentare ]
15. Juni 2009
Die Kreissäge
Kategorie: Verdingt
Im Sommer 1994 war Krankenpflegeschüler Ulf in der unfallchirurgischen Ambulanz eingesetzt und irgendwann gut eingearbeitet.
Da wurde einer eingeliefert mit einem unglaublich gewaltigen Verband im die Hand, direkt von der Baustelle, auf welcher er selbige in die Kreissäge geschoben hatte.
"Ulf, pack schon mal aus bitte!"
Ulf wickelte und wickelte in der Erwartung, daß ihm gleich mehrere Finger entgegenfallen würden- wer einen solchen Verband improvisiert, kommt nicht auf die Idee, sie fachgerecht gekühlt zu servieren, in einem Plastikbeutel, der in einem weiteren Plastikbeutel mit Eiswasser schwimmt.
Pustekuchen. Er hatte nur ein paar winzige Kratzer. Etwas Jod drauf, fertig.
[ 11 Uhr 34 ] - [ 5 Kommentare ]
11. Juni 2009
Filmkritik: Cannibal Holocaust- Guten Appetit!
Kategorie: Kultur
Cannibal Holocaust ist ein wunderbarer Film, der engagiert und spannend um mehr Verständnis für Sitten, Gebräuche und vor allem die Eßkultur anderer Völker wirbt. Er besticht zunächst dadurch, daß er sogar eine Handlung hat:
Eine Gruppe Journalisten geht in den Jungle, trifft auf Einheimische und benimmt sich diesen gegenüber mehr als schlecht. Deshalb werden sie von diesen aufgegessen. Da sie natürlich irgendwann vermißt werden, forscht ein Forscher mit Assistenten nach deren Verbleib, findet dabei Filmmaterial, welches das Betragen dokumentiert, und stößt ebenso auf die ansässige Bevölkerung. Er jedoch benimmt sich empathischer und verständnisvoller und gewinnt damit deren Vertrauen und wird sogar zum Essen eingeladen. Zwar ist ganz offensichtlich für ihn der Verzehr einer rohen menschlichen Leber alles andere als ein Genuß, doch respektiert er die Kultur und das Protokoll und ißt höflich mit.
Die eigentlichen Schlachttechniken mit den steinzeitlichen Werkzeugen des Stammes und die damit verbundenen Riten werden auch in der mir vorliegenden englischen Fassung, die immerhin etliche Minuten länger ist als die deutsche Version, nicht detailliert gezeigt. Vermutlich sind sie der Zensur zum Opfer gefallen. Jedoch sieht der Zuschauer einige andere archaische und auch blutige Riten, welche leider nur unzureichend erläutert werden.
Alles in allem ist Cannibal Holocaust trotz der genannten Mängel ein unterhaltsamer, lehrreicher und engagierter Film. Er ist nicht unter 18 Jahren freigegeben, doch auch Erwachsenen würde ich diesen Film eher dann empfehlen, wenn sie auch entsprechend aufgeschlossen sind.
Prädikat: Wertvoll!
[ 04 Uhr 55 ] - [ 14 Kommentare ]
10. Juni 2009
Nicht so wie bei Schwester Stefanie
Kategorie: Verdingt
Ein ganz normaler Spätdienst an einem ganz normalen Sonntag. Es ist zwar gut zu tun, aber ruhig. Ich messe gerade bei einem jüngeren Patienten den Blutdruck, als der Alarm geht. Ich renne los, so wie es mein Übergewicht erlaubt. Wie immer. Das ist eigentlich nicht spektakulär, daß passiert mindestens einmal pro Schicht und ist in der Regel Fehlalarm, versehenlich ausgelöst.
Diesmal nicht.
Ich sehe meine Kollegin am Bett eines älteren Herrn stehen, der seltsame, aber bekannte Geräusche von sich gibt. Eine Mischung aus Gurgeln und Schnappatmung. Ich taste nach der Arteria carotis, der Halsschlagader. Puls hat er noch, aber so, wie es aussieht, nicht mehr sehr lange. Ich übernehme das Management. Das Kopfteil muß weg. Es wäre beim Beatmen und der Intubation im Weg. Außerdem brauche ich das Brett, um es unter den Patienten zu legen, denn die Matratze des Bettes gibt nach und macht damit die Herzmassage unmöglich. Sie wetzt ins Dienstzimmer, um dort den Reanimationsfunk auszulösen, damit innerhalb von wenigen Minuten Ärzte aus der Anästhesie und der Inneren Abzeilung kommen, und um den Notfallkoffer mitzubringen. Als sie wieder eintrifft, bin ich fertig mit der Vorbereitung, der Galgen liegt irgendwo in einer Ecke, das Brett ist unter dem Brustkorb und der Puls ist weg.
Mit dem üblichen ekelhaften Knacken lösen sich die verkalkten Gelenke zwischen den Rippen und dem Brustbein, als ich mit der Herzmassage beginne. Dies sollte man sich nicht so vorstellen wie bei Schwester Stefanie oder vergleichbaren Serien, die alles andere tun als die Wirklichkeit abzubilden. Man hat nicht den Patienten auf Brusthöhe und pumpt mit vorgestreckten Armen, indem man da ein paar Millimeter runterdrückt. Ich stehe über den Herrn gebeugt und drücke das Brustbein unter Einsatz meines Körpergewichtes etwa fünf Zentimeter in Richtung Wirbelsäule. Der Patient sabbert. Währenddessen, wir sind mittlerweile zu dritt, werden der Beatmungsbeutel samt Sauerstoffanschluß zusammengebaut, und nach dreißig Kompressionen meinerseits bekommt der Patient von meinem Mitstreiter aus dem nunmehr fertigen Zeug zweimal hoch mit Sauerstoff angereicherte Luft in die Lungen gedrückt. Und wieder von vorne.
Als die Ärztinnen bei uns aufschlagen, ist er bereits erfolgreich intubiert. Das macht die Beatmung effektiver. Und dann trifft auch schon der Kollege von der Intensivstation ein. Er hat einmal deren Notfallkoffer dabei. Dort ist noch mehr Zeug drin. Und den Defibrillator samt EKG. Während ich weiterpumpe, wird verkabelt. Kammerflimmern. Also setzt er die Pads an. "Weg vom Bett" - Das kommt wohl in jeder Serie noch vor. Der Rest ist weniger spektakulär. Er zuckt ein bißchen. Sinusrhyhmus! Doch die Freude währt nicht lange. Nach insgesamt fünfmal "grillen" (Krankenhausjargon für defibrillieren, also mit Elektroschock das Herz wieder dazu zu bewegen versuchen, vernünftig zu schlagen) haben wir ihn anscheinend soweit. Das Herz schlägt. Das EKG sieht zwar abenteuerlich aus, aber wenigstens schlägt das Herz.
Tags darauf erfahre ich von den Kolleginnen der Intensivstation, daß er wieder wach und ansprechbar ist.
Mein Beruf ist zwar ganz anders und teilweise auch unästhetischer als bei Stefanie. Aber das ist echt. Das kann mir kein Fernseher geben.
[ 04 Uhr 50 ] - [ 9 Kommentare ]
09. Juni 2009
Belangloses
Kategorie: Verrueckt
In eigener Sache:
Immer wieder kommen Kommentare, die dieses Weblog als langweilig beschimpfen oder gar als Zumutung der Belanglosigkeit. Ich frage mich nur, warum sich die Betreffenden dann überhaupt die Mühe machen, zu kommentieren. Und vor allem immer wieder hier auftauchen (was sich anhand von Parametern wie der IP-Adresse feststellen läßt). Wie dem auch sei:
Seit kurzem schreibt mein liebes Krokofantilein hier mit. Sie hat mir zwar erlaubt, ihre Texte zu verändern, aber das tue ich nicht. Sie sollen authentisch sein.Und einer dieser Kommentare (die ich wegen nicht zielführenden Inhaltes üblicherweise lösche) beschimpfte ihren Arikel "Problemlösung" als eben solch eine unverschämte Belanglosigkeit.
Manches hier mag belanglos erscheinen. Die beschriebene Art Probleme zu lösen beispielsweise ist für die meisten Menschen ganz normal. Aber nicht für Jeden. Für mein Krokofantilein war das etwas besonderes, ein Fortschritt. Denn nicht jeder Mensch hat das Glück, eine richtige Erziehung statt seelischer Grausamkeit zu bekommen, keine traumatischen Erfahrungen machen zu müssen, frei zu sein von psychischen Krankheiten oder Behinderungen. Für manche Menschen sind scheinbare Selbstverständlichkeiten eine gewaltige Aufgabe.
Auch für mich ist nicht alles selbstverständlich. Daß ich wieder auf einer Vollzeitstelle in der Krankenpflege arbeite, mit Früh-, Spät- und Nachtdiensten, Schaukeldienst (häufiger Wechsel von Spät auf Früh), mit voller Belastung- vor anderthalb Jahren hatte ich nicht mehr daran geglaubt. Ich sah mich in einer betreuten Wohngemeinschaft und wie mein Krokofantilein beschäftigt in einer geschützten Werkstatt, wenn überhaupt, wenn nicht Erwerbsunfähigkeitsrente. Daß ich überhaupt überleben würde. Und irgendwann die Kraft besitzen würde, anderen mit ähnlichen Problemen zu helfen.
Auch heute noch ist nicht alles normal für mich. Ich habe alle paar Wochen zwei, drei schwarze Tage, an denen mich die Schwarze Lady quält. Manche ganz alltäglichen Dinge fallen mir immer noch schwer.
Belanglosigkeit- das ist ignorante Arroganz.
[ 04 Uhr 09 ] - [ 16 Kommentare ]
08. Juni 2009
Gerüchteküche
Kategorie: Verrueckt
gestern konnt ich haunah, mit erleben, wie schnell Gerüchte entstehen können..
Folgende Situation:
P., ein Arbeitskollege kam zu mir, und sagte, auf der Toilette sei jemand ohnmächtig geworden. ich dann so zu ihm, ah ja, wer denn? Er so, er wisse nicht wer, aber habe gehört, wie herr St. zu Herr Sö. ( geschäftsführer stv.) etwas von Notfalleinsatz gesagt habe.. ich so.. ok..dann ist Herr St an mir vorbeigegangen, ich hab ihn gerufen, und gefragt, wer denn zusammengeklappt wäre, er fragte mich dann, warum?
ich erklärte es ihm. Dann meinte er, nein, es sei gar niemand ohnmächtig geworden..und ich nur so.. jaja, so schnell können Gerüchte entstehen. Was er mir dann auch bestätigte.. hab dann P. ganz klar gesagt, was ich davon halte... nämlich gar nichts..
man sollte immer zuerst nachfragen.. und nichts interpretieren...
Vom Krokofantilein
[ 04 Uhr 56 ] - [ 1 Kommentar ]
06. Juni 2009
Werden, Sein, Vergehen
Kategorie: Verdingt
Krankenschwestern wischen Ärsche ab, tragen Urinflaschen hin und her, und ansonsten trinken sie Kaffee.
Nein!
Dieses Klischee ist zwar immer noch weit verbreitet. Dies macht es aber nicht richtiger.
Gestern abend teilte mir unsere Auszubildende mit, Frau X habe den Wunsch zu sterben geäußert.
Der Leidensweg von Frau X begann vor einem Jahr, als man bei ihr ein Pankreaskopfkarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs) feststellte. In der Regel, wie auch hier, ist das ein Todesurteil.
Als ich heute Vormittag genug Zeit und Ruhe hatte, ging ich zu ihr.
"Tach, Frau X., wie ist die Lage?"
"Danke, recht gut. Ich habe keine Schmerzen mehr, und heute mußte ich auch noch nicht brechen!"
"Prima! Und sonst? Ich habe gehört, sie wollen nicht mehr, sie möchten bald gehen?"
Sie begann zu weinen. Ja, sie habe nun keine Kraft mehr, zu kämpfen, erst die Diagnose, dann die ganzen Chemos, die Übelkeit, das Erbrechen, die Schmerzen, sie ja Gottseidank jetzt erfolgreich behandelt wären... Sie sei jetzt dreiundsiebzig, sie habe ihr Leben gelebt. Irgendwann werde man nunmal geboren, und irgendwann müsse man nunmal sterben. Ihre Tochter habe ihre Offenheit sehr begrüßt und unterstützt, aber ihr Sohn und ihr Mann kämen damit gar nicht zurecht. Er sage immer, Du kannst mich doch nicht alleine lassen!
"Soll ich denn mal mit ihrem Mann sprechen? Wenn ich ihn heute nicht mehr sehe, dann morgen?"
Ja, bitte. Sie sei neulich noch in Lourdes gewesen mit ihrem Sohn, das sei ihr größter Wunsch gewesen, und nun wolle sie einfach nicht mehr. Sie hoffe nur, nicht leiden zu müssen.
"Ich glaube, das bekommen sie wohl hin. Ihre Schmerzen haben wir ja gut eingestellt bekommen, so daß Sie schmerzfrei sind. An der Übelkeit muß noch gearbeitet werden, da bin ich aber zuversichtlich. Und wenn es soweit ist- da Sie sich nun nicht mehr krampfhaft an Ihr Leben klammern, wird es leichter für sie werden, zu gehen. Weil der Abschied leichter ist, weil es dann erfahrungsgemäß auch weniger lange dauert dann und außerdem nicht so qualvoll ist, wenn Sie sich nicht gegen das Sterben sträuben."
"Wie lange dauert es denn noch, bis ich sterben darf?"
"DAS weiß ich nicht. Das kann Ihnen kein Mensch sagen. Das liegt auch nicht in unserer Hand. Ihr Zustand jetzt ist nicht sooooo schlecht, das kann also durchaus noch ein paar Wochen dauern. Aber oft gehts auch ziemlich schnell, daß sie abbauen. Das wird sich zeigen. Aber keine Eile damit, wenn Sie in Ruhe und Frieden sterben möchten, dann ist Eile und Ungeduld nicht gut."
"Und alle sagen immer, ich soll essen, essen, essen. Damit ich zu Kräften komme. Ich mag aber nicht, ich habe keinen Appetit. Und Hunger schon gar nicht. Und außerdem kommts sonst alles wieder oben raus!"
"Essen Sie nur das, was sie mögen und soviel, wie Sie möchten. Essen sollte keine Qual sein, für Sie schon gar nicht. Außerdem ist Ihre Zeit absehbar begrenzt jetzt, da sollte auch eine Mangelernährung kein echtes Problem mehr sein."
Das Gespräch ging noch viel, viel länger. Ich fuhr sie dann noch mit dem Rollstuhl ein wenig durch die Klinik und zeigte ihr die Stätten meines Wirkens. Dann schob ich sie noch in die Klinikkapelle, da sie sehr gläubig ist. Dort betete sie eine Weile.
Und zurück auf ihrem Zimmer wirkte sie viel entspannter.
Das ist auch Pflege.
[ 14 Uhr 38 ] - [ 10 Kommentare ]
05. Juni 2009
Ich mag ihn einfach nicht.
Kategorie: Kultur
Udo Lindenberg.
Daß er eigentlich gar nicht singen kann stört mich nicht so sehr. Nur dieses Getue. Dieser Dauerflunsch, den er in seinem Gesicht festgemeißelt hat- wieso auch immer. Genauso wie sein Fressenpartner Karl Lagerfeld, der die gleiche Miene nicht verzieht und ebenso wie Lindenberg seine Sonnenbrille nicht absetzt, egal, wie finster es ist. Das ist nicht cool, das ist lächerlich. Und setzt man seinen Hut nicht in Gebäuden ab? Egal. Da hat es offenbar jemand nötig, sich als verschroben zu stilisieren.
Das schlimmste jedoch ist seine elende Betroffenheitslyrik. Wenn mal wieder ein Bürger mit Migrationshintergrund von Nazis verdroschen wird, schütteln wir uns mal eben ein Lied aus dem Ärmel, um unsere Betroffenheit zu zeigen. Dieses wird dann halbherzig und pseudomelancholisch in irgendein vorhandenes Mikrophon genölt, und irgendjemand beklatscht dieses.
Grauenhaft. Grauenhafte Musik. Grauenhafter Typ.
[ 09 Uhr 50 ] - [ 1 Kommentar ]
31. Mai 2009
Tote in der Nacht
Kategorie: Vergangen
Die vergangene Nacht war ruhig. Ein paar PatientInnen zwischen Aufnahme, Röntgen und Stationen hin- und herschieben, Blutproben zum Labor schaffen und Blutkonserven zur Intensivstation- Springerdienst ist entspannt. Wenig Verantwortung, nur eben auf Abruf Transporte und für einige Stationen die Pausenablösung. In der Tasche steckt das Telephon, und wer Hilfe braucht, ruft an, denn die Nachtwache ist allein auf der Station und kann dort nicht fort.
Um dreiundzwanzig Uhr hatte ich dann wieder mal eine Leiche.
Nein, damit habe ich kein Problem, ich habe schon unzählige Sterbebegleitungen gemacht und noch mehr Menschen in die Prosektur geschoben. Ich kenne die PatientInnen und ihre Lebens- und Leidensgeschichte, ihre Angehörigen und so weiter. Und der Transport hinunter ist, wie auch das Zurechtmachen eines Verstorbenen, für mich ein Teil des Abschiedsrituals, ein Abschluß, mein letzter Dienst, den ich ihm oder ihr erweisen kann.
Doch manchmal, wenn ich den Toten nicht kenne, ist das seltsam. So ganz ohne Hintergrund... Ich kenne den Namen von dem Aufkleber, der später am Fuß befestigt werden muß. Und das Geburtsdatum.
1918- was würde die Dame alles erzählen können aus einundneunzig Lebensjahren mit Freud und Leid, Höhen und Tiefen... Doch sie spricht nicht mehr zu mir. Gegen Mittag war sie schon gestorben, weshalb ich sie erst so spät abholen sollte weiß ich nicht. Vielleicht kamen Angehörige von weiter her...
Sie war schon mächtig steif. Die Totenstarre hatte bereits den ganzen Körper erfaßt. Beim Umbetten auf die Zinkwanne erleichtert das die Arbeit sehr. Aber vor allem schlabbert (Entschuldigung...) nichts mehr, der Kopf und die Arme vor allem liegen fest am Körper, der Mund bleibt geschlossen, es sieht irgendwie weniger unwürdig aus.
Unter ihr liegt eine beschichtete Papierunterlage, unter dem Kopf ist eine unschön wirkende Stütze. Ich klebe ihr den Aufkleber an den Fuß, decke sie mit dem Laken zu und schiebe sie in die Kühlzelle. Ich schreibe ihren Namen und ihr Geburtsdatum auf eine kleine Tafel daran, schalte die Kühlung ein und gehe wieder.
Ein langes Leben ist zuende. Und ich weiß nichts darüber.
[ 02 Uhr 54 ] - [ 8 Kommentare ]
28. Mai 2009
Zwei Seelen 27.mai 09
Kategorie: Verrueckt
klein und hilflos, fühl ich mich-
klein und hilflos , geb ich mich-
klein und hilflos , mach ich mich
klein und hilflos, sehen mich die Menschen
klein und hilflos, ist das kleine Kind, in mir..
es lässt sich klein und hilflos fühlen..
die eine Seele, die so sehr um hilfe schreit,
die sich ohnmächtig fühlt, die gefühle kennt,
wie eifersucht, trauer verzweiflung..
sie lässt mich handeln, wie ich nicht handeln möchte...
ich beginne stärke zu spüren,
die stärke, die Fäden, in der hand zu haben,
ich spüre meine reale Seele, die mir zu verstehen gibt:
du lebst im hier und jetzt, du bist nicht mehr hilflos,
doch meldet sich immer wieder mal, meine kleine seele....
by krokofantilein...
[ 06 Uhr 25 ] - [ 8 Kommentare ]
27. Mai 2009
Problemlösung
Kategorie: Verrueckt
Ich hab am Sonntag gemerkt, dass man Probleme sachlich lösen sollte... und nicht in eine Art Opferrolle oder Verzweiflung verfallen sollte...
Folgende Situation:
Ich bin am Weekend, d.H, von Freitag bis Sonntag Abend, bei einer Buddine und mittlerweile guten Freundin eingeladen. Bekam aber von meiner besten Freundin ne SMS, sie würde mich so gerne treffen am Samstag, da sie sonst länger kein freies Wochenende hat (sie arbeitet im Service).
Für mich dann eher schwierig, da ich schon abgemacht habe, und aber auch sie nicht versetzen will... hab ihr dann zuerst vorgeschlagen unter der Woche etwas abzumachen (könnte ja frei nehmen), aber das ging ihr nicht..
Wie weiter? Was soll ich tun... was ich nicht getan habe, in eine Entschuldigungsorgie einzustimmen und zu beteuern, wie leid es mir tut und panik zu schieben, dass sie böse auf mich ist...
statt dessen hab ich ihr ein Treffen zu dritt vorgeschlagen
da beide in derselben Region wohnen!
Und somit sind alle zufrieden mit der Lösung
Und ich am meisten, weil ich sachlich an die Situation ran konnte, und eine durchaus brauchbare Problemlösung hatte...
alles liebe
vom Krokofantilein
[ 06 Uhr 04 ] - [ 4 Kommentare ]
26. Mai 2009
Die Schwarze Lady
Kategorie: Verrueckt
So nenne ich meine Krankheit, die Depression: Die Schwarze Lady. Das klingt vielleicht etwas albern, doch indem ich sie personifiziere, ihr gleichsam eine Gestalt gebe, wird sie von einem amorphen, gewaltigen Schreckgespenst zu einer konkret erfaßbaren Bedrohung, mit der ich so besser umgehen kann.
Sie begleitet mich immer, doch meist merke ich nicht viel von ihr, meist hält sie Abstand. Manchmal spüre ich sie etwas mehr, das ist jedoch zumeist nicht so wild. Doch alle paar Wochen nimmt sie mich für zwei, drei Tage in den Würgegriff, und es geht mir dann richtig schlecht. Aber nicht so schlecht wie früher, ich bleibe handlungsfähig. Weniger schlimm. Und dann zeigt sich der PERSON Schwarze Lady- mit ihr kann man etwas machen. Unerfreuliche Dinge. Zum Beispiel in meinem Depressionsforum, in welchem sie dann von meinen dortigen Freunden gemeinsam mit Voodoozaubern verhext, verdroschen und gestern (sie hatte mich die letzten Tage mal wieder an der Gurgel) sogar mit einbetonierten Füßen in einem Gewässer voller Piranhas versenkt wird.
Klingt doof.
Funktioniert aber erstaunlich gut. Dieses mal.
[ 15 Uhr 26 ] - [ 2 Kommentare ]


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