Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

07. Februar 2009

Geschwister

Kategorie: Verrueckt

Ich war im Sommer 2007 zweieinhalb Monate auf der geschlossenen Kriseninterventionsstation der Psychiatrie. An dem Zimmer, das ich immer Dienstzimmer nenne, war die veraltete Beschriftung "Schwesternzimmer" überklebt.

Es nannte sich "Geschwisterzimmer".

[ 21 Uhr 00 ] - [ 1 Kommentar ]

06. Februar 2009

Das Loch

Kategorie: Vergangen

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1999

Nennen wir sie Frau Hügel. Frau Hügel hatte Darmkrebs und einen künstlichen Darmausgang (Stoma). Sie hatte lange bei den Proktologen gelegen und war schätzungsweise tausendmal operiert worden, und der Darm wurde immer kürzer dabei. Kurzdarmsyndrom. Sie aß Erdbeeren, und kurz darauf kamen sie zum Stoma wieder heraus. Weitestgehend unverändert, nur eben zerkaut.

Also konnte der Darm auch kaum noch Wasser aufnehmen- auch dieses landete im Beutel, der spätestens eine halbe Stnde nach der Mahlzeit geleert werden mußte, sonst wäre er abgeplatzt. Und auch zwischendrin ständig. Trotzdem mußten wir 3-4 Mal täglich den Beutel erneuern.

Außerdem hatte sie nach der letzten OP eine Nahtinsuffizienz, das bedeutet, die Naht ging wieder auf. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, sie zu schließen, verlegte man sie mit einem etwa handtellergroßen Loch, unter dem man prima die Darmschlingen bei der Arbeit bewundern konnte, zu uns.
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[ 06 Uhr 00 ] - [ 5 Kommentare ]

05. Februar 2009

Beim Psychiater

Kategorie: Verrueckt

Heute morgen ging es mir noch gut.
Jetzt nicht mehr.

Jetzt geht es mir SEHR gut.

Ich war bei meinem Psychiater. Ich schilderte ihm die Ereignisse der vergangen Wochen. Daß ich zwei depressive Tage hatte. Trotzdem nicht hoffnungslos wurde, sondern sicher war, daß das wieder weggeht. Von den extremen Belastungssituationen in der letzten Zeit. Und wie ich damit umgegangen bin.

Ich hatte nicht gedacht, daß sich seine Zufriedenheit vom letzten Mal noch steigern ließe.
Er fand gut, daß ich in der Lage bin, mir Hilfe zu holen, wenn ich nicht klarkomme. Und daß ich besser sagen kann, wenn mir etwas doch zuviel wird. Und daß ich Spaß an der Arbeit habe, Kraft daraus beziehe trotz der vielen traurigen Schicksale, die ich für mich positiv umdeuten kann. Daß mich meine Schlafstörungen nicht mehr so stören. Daß ich mich traue, Nachtwachen wieder zu Normalbedingungen zu machen, ohne Schonung.

[ 17 Uhr 00 ] - [ Noch kein Kommentar ]

Überbackener, angebrannter und gleichzeitig verfaulender Rosenkohl

Kategorie: Verdingt

LESEN AUF EIGENE GEFAHR!

1998
Das linke Bein war amputiert. Der Neunundzwanzigjährige hatte dort einen sehr seltenen, aber umso bösartigen Tumor gehabt. Ein Teil der Hüfte war auch mit draufgegangen, aber mit dem deshalb angelegten künstlichen Darmausgang und der Beinprothese war er bislang gut zurecht gekommen, hatte das Studium wieder aufgenommen und nebenher an der Kinokasse Geld dazuverdient.

Jedoch brach nun, als er wegen einer kleineren Darmgeschichte bei uns lag, wieder etwas Tumor durch. Es roch etwas, uns seinen Eltern wurde klar, daß es nun wirklich ernst wurde. Er selber ignorierte die stinkende Stelle vollkommen, bis zuletzt.

Der Vater war total verschlossen, mauerte, blockte ab. Die Mutter machte und tat.

Zunächst war der Durchbruch nur ein kleines Problem, außer, daß es dort gelegentlich aus kleinen Arterien herausspritzte. Wir waren gut versorgt mit speziellen, sehr teuren Kompressen, die die Blutung erstmal stoppten.

Doch das Ding wuchs. Und roch unbeschreiblich. Ich habe seitdem nie wieder so etwas gerochen, und ich rieche sehr vieles, was schlimmer als alles an Gestank ist, was ihr jemals gerochen habt. Verwesung ist NICHTS dagegen. NICHTS. Es war unglaublich. Selbst gestandene Krankenschwestern mit zwanzig Jahren Berufserfahrung gingen in die Knie.
Es sah aus wie überbackener, angebrannter und gleichzeitig verfaulender Rosenkohl. Und für den Geruch fehlen einfach die Worte. Selbst im Dienstzimmer konnte man das noch riechen, auf eine recht weite Entfernung und durch zwei geschlossene Türen hindurch.

Schließlich nahm die Erscheinung die Größe von 1 1/2 Din-A-4-Blättern ein. Von einer Seite auf die andere, und irgendwann kam dort, statt aus dem künstlichen Darmausgang, Stuhlgang heraus.

Er war jung.
Es dauerte sehr lange.
Als er bei mir verstarb, hatte ich große Mühe, die Eltern zu betreuen. Insbesondere den Vater, aus dem nun alles herausbrach. Ich überlegte, für ihn den Dienstarzt zu holen.

Ich machte ihn zurecht, während die Eltern draußen warteten und die Schwester eintraf. Um den unglaublichen Gestank ETWAS zu reduzieres, goß ich einen halben Liter Jod auf dieses Etwas und wickelte eine dicke Schicht Inkontinenzvorlagen und Plastikfolie drum. Was allerdings nur wenig half.

Er kam nicht in die Prosektur. Der Bestatter holte ihn direkt von der Station ab. Auf einer Trage mit einer art Leichensack samt Reißverschluß.

[ 06 Uhr 00 ] - [ 4 Kommentare ]

04. Februar 2009

Gute Besserung

Kategorie: Verdingt

Ich hatte mal eine Patientin, díe hatte eine Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung). Daraus wurde eine nekrotisierende Pankreatitis. Bei der Nekrose bildete sich ein Riesenabszeß, es hat die halbe Bauchspeicheldrüse zerhauen. Der Bedarf an Betäubungsmitteln wurde rekordverdächtig. Wir legten endoskopisch eine Spüldrainage ein. Trotzdem wurde es immer schlimmer. Kein Antibiotikum, was sie nicht schon bekommen hatte. Nach einigen Wochen mußten wir sie auf die Intensivstation verlegen, wo sie wochenlang ums nackte Überleben kämpfte.

Ich hatte ein paar Wochen Urlaub, dann folgten ein paar Wochen Klapse.

Als ich wieder arbeitete, bekam ich eine Neuaufnahme zur Kontrolluntersuchung. Sie kam mir irgendwie bekannt vor, ich konnte aber diese fitte, dynamische Mittsechzigerin, das blühende Leben, Haare aufwändig frisiert, geschminkt und apart, nich recht einsortieren- bis ich auf den Aufklebern den Namen las.

[ 06 Uhr 00 ] - [ Noch kein Kommentar ]

03. Februar 2009

Solch ein Tag...

Kategorie: Verdingt

...kann ja nur gut sein.

Kein einziger Patient schlecht gelaunt (SELTEN!!!), sogar eine schwerst krebskranke Patientin, die seit Weihnachten nicht ein einziges mal ansatzweise gelächelt hatte, strahlte mich an und äußerste sogar mal einen Wunsch. Haare waschen. Kein Problem- das Equipment, Haare im Bett zu waschen, haben wir.

Eine weitere Patientin, die fachfremd bei uns lag mit Depression, wurde heute entlassen. Ich hatte (was ich normalerweise NIE tue bei Patienten) nach ihrer Diagnosestellung mit ihr gesprochen, von mir und meinen Erfahrungen (natürlich nur auszugsweise) berichtet und bin gelegentlich im Auftrag meiner eigentlich zuständigen KollegInnen dort gewesen.
Sie sagte zum Abschied zu mir, daß ich ihr wirklich weitergeholfen und Mut gemacht habe.
Herz, was willste mehr!

[ 19 Uhr 06 ] - [ 1 Kommentar ]

02. Februar 2009

Praktikumsbericht

Kategorie: Vergangen

Ich habe mein Praktikum so etwa mit 15 gemacht, also 1987. Die für mich erreichbaren Krankenhäuser waren entweder mit Praktikanten ausgelastet, oder man mußte mindestens 16 sein. Und ausgerechnet in der besterreichbarsten Klinik (gegenüber) war mein Vater Chefarzt und Ärztlicher Direktor. Lieber nicht.

Computer war natürlich auch irre interessant. Also landete ich im Universitätsrechenzentrum.

Über die damaligen Geräte würdet Ihr heute nur noch staunen. biggrin

Eine Woche war ich bei den Operatoren. Meine Tätigkeit: zweimal täglich die (Nadel)drucker leeren, die Drucke sortieren und in Fächer zu verteilen. Ansonsten in meinem Kellerraum auf Monitore starren und warten, bis etwas piept. Dann erschienen zwei Zahlen auf dem Monitor, und ich suchte das mit der ersten Zahl numerierte Magnetband aus dem Archiv und legte es in die mit der zweiten Zahl bezeichneten Bandmaschine.

Eine ganze Woche! Eine sehr spannende und lehrreiche Beschäftigung.

Danach kam ich die zweite Woche zu den Programmieren, baute mir einen Rechner (damals noch mit schwarz-grün-Monitor) auf und setzte mich davor uns überließ mich meinem Schicksal.

Gelegentlich versuchte ich meinen zur Praktikumsmappe gehörenden Fragebogen vollzukriegen, indem ich die Angestellten dort befragte. Ich bekam natürlich ausschließlich hilfreiche Antworten.

Der Praktikumsbericht wurde als der drittschlechteste der Klasse bewertet. Und ich hatte erstmal die Nase voll von Computern.

[ 15 Uhr 18 ] - [ 2 Kommentare ]

29. Januar 2009

Trauer

Kategorie: Vernetzt

Opa Edi ist tot.

Ich bin traurig.

[ 15 Uhr 13 ] - [ 5 Kommentare ]

27. Januar 2009

Schmerz zufügen

Kategorie: Verdingt

Es tut weh, wenn man jemandem weh tun muß, den man eigentlich sehr gerne hat. Aber manchmal muß man so etwas tun als Profi, und jemandem eine unangenehme Wahrheit sagen. Auch wenn man genau weiß, was dann in ihm vorgehen wird, wie er sich fühlen wird.

*seufz*

Ist nicht ganz einfach, wenn verschiedene Rollen miteinander kollidieren.

[ 14 Uhr 01 ] - [ 3 Kommentare ]

26. Januar 2009

Verlust

Kategorie: Verrueckt

Das kann auch nur mir passieren: Gestern beim Richten der Medikamente für die kommende Woche mußte ich feststellen, daß mein Quilonum retard (Lithiumcarbonat) weg war. Die einzige Erklärung: Ich muß sie beim Aufräumen versehentlich weggeworfen haben. Sie war noch fast voll....

Kein Problem, ich bekomme natürlich ein neues Rezept bei meinem Psychiater. Allerdings natürlich nur ein Privatrezept zum selbst bezahlen. Unter meiner Doofheit braucht weder mein Doc bzw. sein Budget noch meine Krankenkasse zu leiden.

Der Spaß hat mich 27 Euro gekostet. Zum Glück war es nicht das Venlafaxin, das ist nämlich ungefähr zehnmal so teuer. biggrin

[ 12 Uhr 20 ] - [ 3 Kommentare ]

24. Januar 2009

Nachtschicht

Kategorie: Verrueckt

Ich mache jetzt auch seit einiger Zeit wieder Nachtdienste, was auch immer besser klappt.
Wir haben im Haus Springernachtwachen, die von anderen Stationen zur Hilfe geholt werden können, zB für Blut-, PatientInnen- und Leichentransporte sowie zum Umlagern von PatientInnen. Diese Nachtwache ist immer auf der Station stationiert, zu der sie auch sonst gehört.

Bisher habe ich immer mit Springer gewacht, also nie ganz alleine. Aber JETZT hatte ich meine erste ganz alleinige Nacht, und es ging prima.

Wieder ein Stück Normalität gewonnen.

[ 21 Uhr 31 ] - [ 2 Kommentare ]

19. Januar 2009

Ursache und Wirkung

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

Nach einer Studie von britischen Wissenschaftlern der University of Durham haben Menschen, die mehr Koffein als das Äquivalent zu sieben Tassen täglich zu sich nehmen, dreimal so häufig Halluzinationen, manche haben selbst den Eindruck, als würden sie Geister sprechen hören oder als wären Tote in ihrer Nähe.
(telepolis)

Da komme ich schon seit mehr als 20 Jahren ständig drüber. Aber irgendwie höre ich immer noch nicht dreimal so viele Stimmen wie vorher. Vielleicht bin ich nicht normal?

[ 19 Uhr 22 ] - [ 1 Kommentar ]

08. Januar 2009

Chlodwig von der Spülung

Kategorie: Literarisch

Wir hatten in der 6. Klasse im Musikuntericht als Gruppenarbeit mal eine Geschichte zu schreiben und mit Perkussionsinstrumenten zu untermalen. Federführend war außer mir noch Amrei, die ähnlich drauf war wie ich. Entsprechend das Ergebnis: Kurzfassung
Chlodwig von der Spülung tapert nachts die Treppe runter aufs Klo, stolpert, fällt die Treppe runter direkt in die Schüssel. Versucht sich am Spülseil festzuhalten und spült sich damit runter.

[ 16 Uhr 23 ] - [ 1 Kommentar ]

05. Januar 2009

Das Zitat der Woche

Kategorie: Verrueckt

Mir gefällt schon lange die Idee, daß Gott selber so depressiv war und ihm so unendlich langeweilig war, daß er die Welt einfach erschaffen mußte.
Aus www.depri.ch

[ 22 Uhr 40 ] - [ 3 Kommentare ]

03. Januar 2009

Nicht mit mir!

Kategorie: Verdingt

In einem Forum bekam ich folgende PN:
hi,
ich bins nochmal
also du arbeitest doch im krankenhaus, oder?
wenn du da einfach zugang zu rezeptpflichtigen ADs und schmerzmitteln hast koennte ich dir eine kooperation anbieten. interesse?
da haette jeder was davon...


...es war nicht die erste. Als ich ihm schrieb, daß ich ihm bereits geschrieben hätte, daß ich a) kein unredlicher Mensch sei und b) kein Bedürfnis hätte, meinen Arbeitsplatz aufs Spiel zu setzen (Medikamentendiebstahl bedeutet fristlose Kündigung) und er mich c) zu einer STRAFTAT anstiften wolle, weshalb das jetzt an den Admin weitergeleitet würde, da fing er an zu winseln.

Arschloch.

[ 09 Uhr 01 ] - [ 6 Kommentare ]

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